Kraftwerk Winterwehr in Waidhofen/Ybbs

Mit der Errichtung des Kraftwerks Winterwehr in Waidhofen/Ybbs will die Stadt ein neues Kapitel in Sachen Ökologisierung und Energieautarkie aufschlagen. Wie aus der einschlägigen Presse zu entnehmen ist, wird das Kraftwerk im Endausbau an die 1500 Haushalten sauberen Strom liefern können. Neben diesen technischen Fakten sind auch die wirtschaftlichen Daten vielversprechend. Aus denkmalpflegerischer Sicht ist natürlich der Umgang mit der historischen Bausubstanz – also dem Winterwehrgebäude – lobend hervorzuheben. Trotz dieser vielen positiven Aspekte ist es doch auch nötig diese Projekt, und vor allem aus archäologischer Sicht, die Abwicklung des Bauvorhabens selbst, zu kritisieren.

Aus Sicht der Naturschützer (http://www.proybbs.at/) sind vor allem die Natur und deren Agenden zu bedenken. Eine komplette Verbauung der Ybbs mit den auf der oben genannten Homepage beschriebenen Konsequenzen muss bedacht werden.

Zusätzlich ist die Ybbs nicht nur als ein Naturraum sondern auch als ein Kulturraum zu sehen und behandeln. Noch bis vor 100 Jahren (z.B.: http://www.hollenstein-ybbs.gv.at/content.php?pageId=5013) hing das Leben der Menschen stark mit dem Fluß und seinen Gegebenheiten zusammen. Die Wasserwerke produzierten Energie für Produktionsbetriebe entlang der Ybbs und das dringend benötigte Holz wurde die Ybbs entlang nach Waidhofen, in das Eisenverarbeitungszentrum, geflößt. Aus dieser Funktion des Flusses und aus dem Leben, welches am Fluss auch stattfand, lässt sich folgern, dass archäologisch gesehen einiges an interessanten Dingen an und in diesem Fluss zu erforschen wäre.

Zu diesem Zwecke wurde ein Rundgang von der Zeller Brücke zur Florianibrücke auf beiden Seiten durchgeführt um diese Strukturen zumindest visuell und photographisch zu erfassen. Unterstützt wurde diese Begehung durch den Fakt, dass zum Zwecke der Ausbaggerung der Ybbs bei dem Längswerk Winterwehr nach der Ablassung der Ybbs zu erfassen. Dabei wurde vor allem Augenmerk auf den “Hafen von Waidhofen” gelegt – ein potentiell interessanter Ort der Stadthistorie, dem man archäologisches Interesse widmen könnte. Auf einem Stich von Merian aus dem Jahre 1649 lässt sich deutlich die alte Zeller Brücke erkennen. Rechts davon erscheint der “Waidhofner Hafen”. Augenscheinlich eine Holzpfostenkonstruktion, welche benutzt wurde um das geflößte Holz sicher an Land zu bringen.

Diese Tradition fand erst 1890 ihren Abschluss. Danach wurde diese sicher entfernt oder durch Naturereignisse (Hochwasser) mitgespült. Wenn die Pfosten nicht gezogen wurden – was nicht zu erwarten wäre, da keine Nachnutzung der Lokalität geplant war, so ist zu vermuten, dass diese industriellen Relikte auch heute noch im Boden schlummern und so archäologisch nachweisbar wären. Auch wenn der Abstand zur heutigen Zeit in Bezug auf diese Konstruktion gering erscheint – eine Dokumentation im Zuge der Bauarbeiten wäre zumindest empfehlenswert, um diesen “Waidhofner Hafen” für die Zukunft zumindest fragmentarisch zu dokumentieren um sich später vielleicht dieser Lokalität zu erinnern und dessen touristisches Potential (“Alleinstellungsmerkmal”) zu nutzen. Zusätzlich wäre es sicherlich möglich – und auch kostengünstig durchzuführen – den ausgebaggerten Kies an dieser Stelle mit einem Metallsuchgerät zu durchsuchen.

Aus archäologischer Sicht sind desweiteren einige Höhlen rund und im Stadtgebiet von Waidhofen sehr interessant. Lage und naturräumliche Voraussetzungen würden dafür sprechen, dass Menschen hier – wie ich auch in historischer Zeit – Schutz gesucht haben und dabei archäologisch relevante Überreste zurückgelassen haben. Eine Dokumentation dieses Bestandes und eine Sichtung wären interessant und denkbar. Desweiteren wäre es auch wert Einbauten wie auch Fundamente neuerer Zeit zu dokumentieren – die einmalige Lage vieler Industriebauten so nahe am Wasser könnte so umfassender dargestellt werden und auch späteren Generationen noch näher gebracht werden. Tachymetrische Vermessungen nach dem Vorbild von Projektwochen in Kooperation mit Schulen wären hier eine gute Möglichkeit Praxis einerseits zu bieten andererseits aber auch kostengünstig zu arbeiten.

Zuletzt sei zusammenfassend gesagt, dass der Kraftwerksbau eigentlich eine ausgezeichnete Möglichkeit gewesen wäre archäologische Überreste in diesem Bereich – schließlich dem engeren Stadtbereich Waidhofens – näher zu betrachten und diese auch zu dokumentieren. Langfristig würde so auch eine weitere Facette der Geschichte Waidhofens dokumentiert und auch ein Fenster hin zu einer touristsichen Verwertung geöffnet. Und wer weiß… vielelicht ruht in dem schönen Waidhofen ein kleiner Schatz – vielleicht haben auch schon Menschen vor Jahrtausenden von Jahren diesen Ort geschätzt wie die Bewohner heutzutage…

Mehr Informationen rund um die Ybbs:

http://lebensministerium.maz24.com/generationblue/brg_waidhofen/quellen/quellen.html

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